60. Theaterpremiere von Jürgen Müller – Das Tagebuch der Anne Frank

Er verlangt viel von seinen Schülerinnen und Schülern, ist mit Kritik nicht zurückhaltend und führt sie äußerst fachkompetent zu optimalen schauspielerischen Leistungen. Die Leistungsorientierung als GHO-Prinzip wird von unserem Theaterpädagogen Jürgen Müller konsequent umgesetzt. Und das gelingt ihm nicht zum ersten Mal. Es war seine 60. Premiere, die der geschätzte Regisseur am 22. Februar 2018 auf die GHO-Bühne brachte.

Das Tagebuch der Anne Frank in der neuen Fassung von Wendy Kesselmann nimmt den Zuschauer mit in die jüdische Familie Frank, die nach Amsterdam emigrierte und nach dem Beginn der Deportationen am 6. Juli 1942 gemeinsam mit Freunden untertauchte. Diese acht Menschen wurden im Hinterhaus des väterlichen Geschäfts von einem holländischen Angestellten versteckt, wo sie über zwei Jahre auf engstem Raum verbrachten.

Die Schülerinnen und Schüler des Theaterkurses des 13. Jahrgangs spielen ihre Rollen äußerst authentisch und vermitteln dem Zuschauer die unterschiedlichen Charaktere mit hoher Präzision:
Sabrina Garstka stellt die freche und lebensfrohe Tochter Anne Frank dar, der erst nach und nach die Ernsthaftigkeit der Situation bewusst wird. Ihre Schwester Margot, die hochintelligente, höfliche, aber sehr ruhige, ältere Tochter der Franks, spielt Evelyn Spengler. Kim Frühholz übernimmt die Rolle der Mutter, Edith Frank, eine ruhige und liebe Frau, die am meisten unter dem Versteckspiel zu leiden scheint. Der aufgeschlossene und verständnisvolle Vater, Otto Frank, versucht alle aufkommenden Konflikte zu lösen. Giulio Panzera verkörpert ihn überzeugend.
Die weiteren Bewohner des Hinterhauses spielen Vladimir Klaus, Tabea Harper, Montgomery Train und Nils Lesser. Miep Gies, gespielt von Chantal Haeske, ist eine der Heldinnen dieser Historie, versucht sie doch unter Einsatz ihres Lebens, Menschen zu verstecken. Sie wird unterstützt von Herrn Kraler, dargestellt von Karim Bartels, der inzwischen die Firma Otto Franks leitet.

Erik Lippert schlüpft in die Rolle eines Nazioffiziers, der zusammen mit holländischen Kollaborateuren (dargestellt von Schülern des 9. Jahrgangs) am 4. August 1944 das Hinterhaus stürmt und die versteckten Juden festnimmt.

Mit einem Gedenken an Anne Frank, die im März 1945 wenige Tage nach ihrer Schwester Margot im KZ Bergen-Belsen an Typhus stirbt, schließt das Stück.

Den Mitgliedern des Theaterkurses ist es sehr erfolgreich gelungen, die Geschichte der NS-Zeit lebendig werden zu lassen und somit einen Beitrag gegen das Vergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus zu leisten. Herzlichen Dank auch für das Lernen der sehr umfangreichen Dialoge kurz vor den anstehenden Abiturprüfungen.

Besonderer Dank gebührt den ehrenamtlichen Unterstützern dieses Theaterprojekts:
Regieassistenz haben Frau Uta Meyer-Budzinski und Herr Constantin Gieseler geführt und die vielen Proben unermüdlich begleitet sowie mit ihrer kompetenten Unterstützung bereichert.
Ins rechte Licht rückte auch diese Produktion unser ehemaliger Schüler Eric Kubrinski, der als Beleuchter zuverlässig und in bewährter, professioneller Weise agierte.

Die Mitglieder des Fördervereins haben nicht nur die Theaterbesucher mit Erfrischungen und heißen Snacks versorgt, sondern auch im Anschluss einen Sektempfang ausgerichtet für aktuelle und ehemalige Schauspieler aus dem Theaterteam von Jürgen Müller. Es galt die 60. Premiere, die auch seine letzte in seiner aktiven Schullaufbahn ist, feierlich zu begehen.

 

„Das Tagebuch der Anne Frank“ wurde auch vor 10 Jahren von Herrn Müller bereits inszeniert. Damals spielte Tobias Wollschläger die Hauptrolle des Otto Frank. Er ist inzwischen auf den Bühnen der Welt zu Hause, ließ es sich aber nicht nehmen, am 23. Februar 2018 bei der Dernière dabei zu sein.

Unser Kollege Jürgen Müller hat somit bei 60 Premieren nicht nur lustige Komödien oder tragische Dramen auf die GHO-Bühne gebracht, sondern war Wegbereiter und Förderer für viele Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg in die professionelle Schauspielkunst. Dafür danken wir ihm sehr herzlich.

C. Hintze